EU-Roaming Balkan: Was die neuen Westbalkan-Verhandlungen für deine Reise bedeuten
Kurz vorweg, weil die Schlagzeilen im Juni ordentlich durcheinandergingen: Beim EU-Roaming Balkan hat sich bisher nichts geändert. Am 4. Juni 2026 hat der Rat der Europäischen Union die EU-Kommission ermächtigt, Verhandlungen mit den sechs Westbalkan-Partnern aufzunehmen. Mehr steht da nicht drin. Kein unterschriebenes Abkommen, kein Starttermin, keine Gratis-Daten in Albanien ab nächster Woche.
Wer im Herbst nach Serbien, Montenegro oder Bosnien fährt, zahlt also weiter Roaming. Punkt.
Was der Rat zum EU-Roaming Balkan beschlossen hat, und was nicht
Es geht um sechs Länder: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. In EU-Papieren heißen sie WB6.
Der Beschluss ist ein Verhandlungsmandat, nichts weiter. Wie europeanwesternbalkans.com berichtet, muss die Kommission jetzt mit jedem der sechs Partner einzeln ein Sektorabkommen aushandeln. Danach übernimmt jedes Land die EU-Roaming-Regeln, setzt sie um, die Kommission prüft das, und erst dann öffnen sich die Märkte gegenseitig. Vier Etappen, keine einzige mit Datum.
Ehrlich gesagt: Wann das durch ist, weiß gerade niemand. Steht irgendwo "Roaming ist abgeschafft"? Quatsch.
Drei Regeln, die ständig verwechselt werden
Genau da entstehen die meisten Missverständnisse: Rund um diese sechs Länder gelten längst mehrere komplett verschiedene Roaming-Regeln, und die neue Verhandlung betrifft nur eine davon.
| Zone | Status | Seit |
|---|---|---|
| EU und EWR („Roam Like at Home“) | gilt, kostenlos | 15. Juni 2017 |
| Ukraine und Moldau | gilt, kostenlos | 1. Januar 2026 |
| Innerhalb der WB6, mit lokaler SIM | gilt, kostenlos | 1. Juli 2021 |
| EU zu WB6, Datenroaming | Preisdeckel, nicht kostenlos | 1. Oktober 2023 |
| EU zu WB6, volle RLAH-Gleichstellung | Verhandlung, kein Datum | 4. Juni 2026 |
Das Regional Roaming Agreement macht Roaming innerhalb der sechs Märkte seit dem 1. Juli 2021 kostenlos. Mit der EU hat das nichts zu tun, es ist fünf Jahre älter als die aktuelle Nachricht. Eine serbische Prepaid-Karte funktioniert in Albanien zum Heimatpreis. Deine deutsche eben nicht.
Und zwischen EU und Westbalkan gibt's seit dem 1. Oktober 2023 eine Preisobergrenze von 18 Euro pro GB, die laut europeanwesternbalkans.com bis 2028 stufenweise auf 9 Euro sinkt (14 Euro ab 2026). Gedeckelt, nicht gratis. Der Unterschied ist deine Kohle. Reist du zum Beispiel nach Montenegro, zahlst du also aktuell gedeckeltes EU-Roaming: Montenegro-Roaming zum Nulltarif kommt erst, wenn das Sektorabkommen steht.
Möglich ist so eine Ausweitung: Die Ukraine und Moldau sind laut Rat der EU seit dem 1. Januar 2026 voll in der RLAH-Zone, als erste Länder außerhalb des EWR. Vom Ratsbeschluss bis zum Start vergingen dort rund sechs Monate. Beim Westbalkan sind es sechs Verhandlungen statt zwei. Schneller wird das eher nicht.
Was du beim Westbalkan-Roaming heute zahlst
Bei deutschen Anbietern (Telekom, Vodafone, O2, congstar) sitzt der Westbalkan aktuell in einer Nicht-EU-Länderzone. In der Praxis heißt das: Gesprächsminuten um 29 Cent und Datenpässe, die für ein paar hundert Megabyte mehr kosten als eine komplette Reise-eSIM. Wer lieber alle Geräte gleichzeitig verbindet statt einzeln umzustellen, für den lohnt sich ein mobiler Reiserouter fürs ganze Gerätearsenal als Alternative. Stand: August 2026. Tarife ändern sich ohne Ankündigung, schau also vor dem Abflug in deinen eigenen.
Was richtig nervt: Auf einer Balkan-Rundreise merkst du den Wechsel gar nicht. Kroatien ist EU, alles frei. Vierzig Kilometer weiter in Bosnien läuft der Zähler. Kein Warnbanner, keine Ansage im Display.
Was bleibt, ist naheliegend: eine eSIM für den Balkan buchen, bevor du losfährst, mit regionaler Abdeckung statt sechs Einzelpaketen. Unsere Länder-Guides gehen die Anbieter samt Preisen durch, und wer sich vor der Reise noch nicht festlegen will, vergleicht mobilen Hotspot und eSIM direkt und sieht, welche Variante für mehrere Geräte praktischer ist. Aufs Abkommen warten ist für dieses Jahr keine Strategie.
Ändert sich für dich also gar nichts?
Für deine nächste Reise ändert sich beim EU-Roaming Balkan nichts. Mittelfristig schon, und das ist die eigentliche Nachricht. Dass die EU „Roam Like at Home“ überhaupt über den EWR hinaus ausrollt, war bis vor Kurzem undenkbar. Die Ukraine und Moldau haben die Tür aufgestoßen, der Westbalkan steht jetzt davor.
Ich würde trotzdem nicht auf 2027 wetten.
Häufig gestellte Fragen
Ist Westbalkan-Roaming jetzt kostenlos?
Nein. Der EU-Rat hat am 4. Juni 2026 nur Verhandlungen freigegeben. Für deutsche SIM-Karten bleiben Albanien, Serbien, Bosnien, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo Nicht-EU-Ziele, beim Datenroaming gedeckelt auf 18 Euro pro GB.
Welche Länder gehören zu den Westbalkan-Verhandlungen?
Sechs, in EU-Papieren WB6 genannt: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Die Kommission verhandelt mit jedem Land einzeln, die sechs können also unterschiedlich schnell fertig werden.
Wann tritt das neue EU-Roaming für den Balkan in Kraft?
Ein Datum gibt es nicht. Nach der Ermächtigung folgen Verhandlung, nationale Umsetzung, Prüfung durch die Kommission und erst dann die gegenseitige Marktöffnung. Bei der Ukraine und Moldau lagen rund sechs Monate zwischen Beschluss und Start, dort ging es aber nur um zwei Länder.
Ist Roaming innerhalb der Balkanländer schon gratis?
Ja, aber nur mit einer lokalen SIM-Karte. Seit dem 1. Juli 2021 roamen die sechs Märkte untereinander kostenlos. Das ist ein regionales Abkommen ohne EU-Beteiligung, deine deutsche Karte profitiert davon nicht.
Lohnt sich eine eSIM für den Balkan trotzdem noch?
Ja, für jede Reise vor Abschluss der Verhandlungen. Eine regionale Balkan-eSIM kostet meist deutlich weniger als der Datenpass deutscher Anbieter für dieselbe Datenmenge. Preise trotzdem pro Reise prüfen, Anbieter ändern ihre Pakete häufig.